Quelle: Unsplash Olivier Piquer

Trauma und Behandlung das sind zwei paar Stiefel. „Triage“ vom Regisseur Danis Tanovic zeigt ungeschont, auf was es bei Traumatisierung ankommt. Ivan, ein alter Mann, der sich selbst als „Gelehrter des Geistes des Menschen“ sieht und enorme Erfahrungen darin hat, Menschen nach Traumatisierung wieder ins Leben zurück zu holen, zeigt eine Art Aufrichtigkeit auf – das Erfolgsfaktor der Traumaaufarbeitung angesichts der unüberwindbaren Angst und Verleugnung. Was er kann, das ist nüchtern und ohne Umschweife die Barrieren zum Stürzen zu bringen, die einem hemmen und das reale Leben unmöglich machen. Er setzt darauf, im Erzählen wiederzubeleben, was man nicht ausgehalten hat zu sehen, während es geschah.

Nahezu würde ich so weit gehen und nahezu garantieren, dass Menschen, die in diesen Schranken festklemmen und den zweiten Teil des Filmes mehrmals anschauen, dass sie sich selbst von ihren eigenen inneren Mauern befreien würden. So schonungslos zeigt der Film den Akt der Befreiung.

Statistiken zu Trauma und Behandlung

Vor ein paar Jahren habe ich Statistiken zu Behandlung und zu Erfolgen nach Behandlung der Traumatisierung (PTBS) angefordert – leider stehen keine zur Verfügung. Wir wissen nicht, wie viele Menschen sich vom Trauma wirklich befreit haben und ihr Leben fortsetzen können. Wir wissen nicht, wie viel Berentungen nach Traumatherapie stattfinden und auch nicht, wie viele Menschen wieder ihre Arbeit fortsetzen können. Weder Kliniken noch Praxen geben solche Zahlen an das statistische Bundesamt weiter. Wir wissen nicht, wie viele Menschen ihre Traumatisierung nicht aufarbeiten konnten und damit leben müssen. Wir wissen nicht, wie es Menschen geht, die es in der Therapie nicht aufgearbeitet haben und diese Schuldfrage zusätzlich an ihnen klebt. Obwohl sie dafür nicht schuldig sind. Das sind vermutlich sehr, sehr viele.

Trauma und Behandlung – Umgang mit Trauma im Film „Triage“

Ivan, Großvater von Elena tritt in Erscheinung auf die Biete seiner Enkelin hin. Der Betroffene gibt keine Auskunft darüber, wo sein Freund nach einer gemeinsamen Reise geblieben ist. Ivan fordert von ihm, über Kriegserlebnisse zu erzählen. Seine Worte sind direkt: „Sie sind verantwortlich… wie oft haben sie die Geschichte schon anderen erzählt? Zwei, drei, zwanzig mal? Und was haben die ihnen gesagt? Oooo, mach dir keine Vorwürfe; o nein, es war nicht dein Fehler …; Oo nein, nichts, was du hättest tun können …“

Ivan weiß das und solche Reaktionen kennen wir alle, so reagieren Freunde und Familie. Und das ist richtig, denn man muss dem Betroffenen beistehen und nicht zum Fallen von aufgebauten inneren Mauern bewegen. Das wäre auch wahrlich nicht die Aufgabe von Freunden und Familie. Deshalb sind diese Reaktionen auch richtig und hilfreich.

Aber nicht, um Traumatisches Erlebnis aufzuarbeiten. Denn das ist gänzlich etwas anderes. Allmählig begreift man, dass das auf was es ankommt etwas ist, was Freunde einem nicht geben können. Ivan sagt „Wir können den Schmerz nicht abgeben, wir tragen den immer in uns und genau das ist es, auf was es ankommt, zu leben.“

Pflichtlektüre – auf was es ankommt – in der Traumaaufarbeitung

Diese grausame Geschichte sollte eine Pflichtlektüre für jeden sein, der traumatisiert wurde und auch für jeden, der meint, eine Psychotherapie zu PTBS anbieten zu können. Beide Parteien sollten sich der Realität stellen – ob der Prozess der Aufarbeitung die erwünschten Ergebnisse bringt.

NIKU Trauma Areal ist ein Hilfsangebot. Hier kann man und muss man nciht flüchten, man bekommt von niemandem Vergebung. Man kann nur einen Schritt nach dem anderen machen und dabei den Halt bekommen, den man braucht, um das gnadenlose Erlebnis innerlich vor sich selbst zuzulassen.

Ob es zu einer Retraumatisierung kommt? Gewiss. Denn das gehört zum Prozess der Aufarbeitung und zum Verlauf der Zeit. Früher oder später wird man sowie so etwas begegnen, dass es zu Erinnerung kommt und es wird einem überrumpeln, immer zu einem schlechten Zeitpunkt. Denn den richtigen Zeitpunkt dafür gibt es dafür nicht.

Auf das Ergebnis kommt es an

Ich habe bei NIKU viel dazu gefunden: E-Learning im NIKU Shop und in der App NIKU (rotes Logo), man muss bei Herz-icon unten scrollen: Trauma Areal. Hier kannst du Schritt für Schritt das aufarbeiten, was dich daran hindert, zu leben. Ich liebe die Worte, die Diane am Ende sagt: „Sei gut zu ihm, wir wissen nicht, wie das ist, wenn man von solchen Orten zurückkommt. Jedenfalls musst du gut zu ihm sein, denn er kam zurück.“

Das ist schon was anders, wie hier bei uns. Hier werden Menschen als gestört gesehen und jeder sagt: „Mach Therapie“ ohne zu wissen, was man in so einer Therapie durchlebt. Vor allem in einer, die nichts bringt. Deshalb sage ich: „Seid gut zueinander, keiner weiß, was der andere durchgemacht hat” Das trifft auch für die Zeiten der Corona zu.