Was hat Social Media damit zu tun?

Es gibt nichts Schöneres, als von einem geliebten Menschen zu hören: „das hast Du toll gemacht! Ich bin stolz auf Dich.“ Wenn das von einem Elternteil kommt oder von einem Menschen zu dem man aufschaut, dann bricht im Bauch ein Vulkan der Gefühle aus, selbst dann, wenn man erwachsen ist.

Psychische Bedürfnisse

Wir sehen sie nicht, doch wir fühlen sie. Sie gehören zu unserem Alltag und beeinflussen es wesentlich. Anerkennung ist eins der wichtigsten emotionalen Werte, wenn es um Wohlbefinden geht – zu Hause, in der Freizeit und in der Arbeit auch.

Psychische Bedürfnisse begleiten uns Tag und Nacht. Werden sie nicht erfüllt, rauben sie uns nachts den Schlaf, führen zu Einsamkeit, geringer Motivation, geringem Selbstwertgefühl und unendlicher Sehnsucht. Ein Klick mildert den Hunger, zumindest für den Moment.

Social Medien, Smartphone und die Sehnsucht – Macht Facebook und Co. süchtig?

Meinung 1: Digitale Demenz, Smartphone Epidemie, Cyberkrank

Es ist schon einige Jahre her – 6 Jahre, um genau zu sein – da ging die Warnung vor der „digitalen Demenz“ durch die Medien wie ein Lauffeuer: Das Schreckgespenst der immer schon überforderten und orientierungslosen Eltern im Angesicht Digitaler Medien.

Prof. Spitzer, Psychiater und Arzt warnte und warnt mit unzähligen Büchern bis zum heutigen Tage vor den Folgen der zu häufigen Beschäftigung mit Handy und digitalen Medien.

Sein Anliegen ist, zu vermitteln, dass das Gehirn sich je nach umgebender Atmosphäre verändert. Das „sich verlieren“ über mehrere Stunden pro Tag durch eine Vertiefung in einem Smartphone verändert nun das Gehirn, das Dasein des Menschen und damit seine Zukunft.

Seine Sorge ist, dass vor allem junge Menschen in ihrer Gedächtnisleistung nachlassen, weil sie zu viel und zu schnell lernen, in Computern zu speichern. Eine Auslagerung der Speicherkapazitäten könnte zu Unterentwicklung der eigenen Gedächtnisleistung führen, also das negativ verändern.

Meinung 2: Abhängigkeit von Facebook & Co.

Sprechen wir von Abhängigkeit von Medien, werden vor allem Verhaltensphänomene überprüft. Sucht wird diagnostiziert, wenn Menschen bestimmte Substanzen oder Medien im Übermaß gebrauchen bzw. anwenden.

In diversen Kliniken wurden Abteilungen eingerichtet, die das Thema beleuchten. Menschen, die von digitalen Medien nicht lassen können, werden aufgenommen und können sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Neben dem Parameter “Verhalten” spielt im Bereich Sucht immer der Zeitfaktor eine große Rolle. Es wird die Meinung vertreten, dass derjenige, der mehrere Stunden am Tag und permanent auf’s Handy schaut, von seinem realen Leben abgelenkt wird.

Meinung 3: „Den Kindern die Kindheit lassen“ – Michael Winterhoff

Kinderpsychiater Michael Winterhoff setzt sich sehr stark dafür ein, dass Menschen in Strukturbildung und im Reichtum ihrer Psychischen Entwicklung nicht nachlassen. Nun erklärt er, dass „Autonomes Lernen“ dem Kind-Sein nicht gerecht werden kann, da das Gehirn des Kindes auf Bindung und Beziehung ausgerichtet ist. Das Kind hat seiner Meinung nach Bedürfnisse, die nur in Bindungen gestillt werden können.

Die Kraft der Sehnsucht: “Likes” aktivieren das Belohnungssystem

Es braucht nicht viel, um sich geliebt oder sich in seinem Sein bestätigt zu fühlen. Eine kleine Anerkennung von einem anderen Menschen reicht aus. Es ist eine kleine Geste, die Freude macht oder gar das Gefühl der Erfüllung mit sich bringt. Oder seit ein paar Jahren ein „Like“, welches unsere Stimmung verändert. All das ist unsere Psychische Nahrung.

Wir Menschen nehmen das, was wir brauchen, in uns auf, um den emotionalen Haushalt, die psychische Konstitution, zu steuern. Die Kraft der Sehnsucht ist stärker als die der Vernunft

Wir sind nicht mehr so krass diszipliniert, wie die Royals oder eins unserer entfernten Vorfahren. Auch wenn unser Dasein mehr Freiraum erlaubt, so hat uns doch keiner beigebracht, mit Emotionen umzugehen.

Begonnen hat es mit ein paar schlauen Füchsen, die mit Social Media angefangen haben. Business ist Business, soll man denen plötzlich nachtragend sein, dass sie Module einsetzen, um Kundenbindung zu intensivieren? Wir sind in jeder Branche auf Kundenbindung angewiesen. Was ist mit Zucker, Tabak, Alkohol? 

Es gab schon immer und es wird immer Branchen geben, die mit gezielter Manipulation Umsätze generieren . Leider werden ehrliche Dienstleistungen und Angebote nicht mit solchen Gewinnen gekrönt.

Die Frage ist: wie sind wir als Gesellschaft auf solche Einflüsse vorbereitet, und: was gehört überhaupt zu einer solchen Vorbereitung?

Die Konsequenz des Handelns: Wer trägt die Verantwortung?

Was ist in unserer Gesellschaft los, dass sich so eine hohe Zahl an Menschen offenbart, die, statt lustvoll zu leben, sich in sinnlosen Tätigkeiten verlieren, die Ihnen Lebenszeit und Lebenskraft entziehen? Und vor allem: wer trägt die Verantwortung?

Plötzlich ist man erwachsen und was jetzt? Die Vielfalt der Strukturen unserer Gesellschaft ist kaum für „alte Hasen“ zu erfassen, was sollen junge Menschen sagen? Da ist jede Ablenkung von Bedeutung, auch wenn die nur kurzfristig gute Gefühle verursacht.

Zum Lebenskonzept stellen wir keine Fragen, weil wir nicht gelernt haben, wie man ein Lebenskonzept formuliert. Unsere Tradition sind Ehen und das Kinderkriegen, die vorzeigbare Familie ist schön, der Druck jedoch hoch. Wer hat gelernt, die umgebende Atmosphäre so zu gestalten, dass die psychische Entwicklung die richtige Nahrung bekommt?

Mit der Konsequenz seines Handelns muss jeder Mensch leben. Allerdings trägt jeder in sich noch die Konsequenzen des Handelns der früheren Generationen. Können wir denn so die Hände in den Schoß legen und über andere urteilen, ohne klar Bescheid zu geben, was wir ihnen zu wenig gegeben haben?

Ich bitte eindringlich Institute um Studien zu dem Thema: wieviel Anerkennung haben sie bekommen? Die Kinder der Sozialen Medien, die erste Generation, die mit solch einer Wucht an Verführung zu tun hat. 

Wie sollen sie damit umgehen? Ich bin überzeugt, dass es weniger schwierig wäre, dem zu widerstehen, wenn man bereits gesunde Strukturen hätte oder zumindest die Vorstellung, wie man solche in seinem Gehirn anlegen kann.

Prägungen im Gehirn: Welche Bindungen und Beziehungen haben Sie geprägt?

Die unsichtbaren Strukturen in unserem Gehirn haben unterschiedliche Tiefen der Prägung. Wir Menschen erinnern uns nicht an die tiefsten emotionalen Erlebnisse der Kindheit. Allerdings spüren wir lebenslang die Folgen. 

Lange Zeit strampeln wir in der Luft und ringen nach dem unsichtbaren Boden, dem Boden des „Ichs“. Niemand gibt die Hand, keiner gibt die Liebe, die man braucht. Keiner sagt: „Ich bin stolz auf Dich“. Dabei wissen wir alle, dass es das Schönste ist, wenn man so angenommen wird, wie man ist. Dann ist die Kraft da, die man braucht, um das Leben zu gestalten. Dann ist man einfach gesättigt, nicht mehr hungrig und voller Zuversicht.

Es geht hier um die gleichen Mechanismen im Gehirn, die jetzt von digitalen „Likes“ übernommen werden. Haben wir unseren Kindern nicht die umgebende Atmosphäre geschaffen, in welcher sie die „Likes“ nicht brauchen, sollten wir uns mit Pauschalurteilen zurückhalten.

Würde sich das jetzt für die Kinder in schulpflichtigen Alter ändern, dann wäre das erfreulich. Allerdings: wie erklären wir unser Versagen gegenüber der Generation, die unser Ruder übernimmt?

Ein früherer Kunde von mir, ein Unternehmer, sagte bei der Nachfolgeregelung zu seinem Sohn: „Ich bin stolz auf Dich. Du hast das aus Dir gemacht, was ich mir für Dich gewünscht hatte“ Die Strukturen des Vaters, durch welche der Sohn oder die Tochter geprägt wurden, die Strukturen der Mutter, die die Kindern beeinflussten – das sind die unsichtbaren Formen und Landkarten, die in den Kindern entstehen.

Die ideale Kindheit gibt es nicht – schon deshalb nicht, weil der Mensch sein eigenes, autonomes, unsichtbares System hat. Der erwachsene Mensch, der die Fürsorge für ein Kind übernimmt, trägt seine unsichtbaren Strukturen in sich. Diese sind nicht mit denen des Kindes homogen. Zwei Individuen, die sich im Leben zusammenraufen müssen. Es wird niemals ideal. Und was nun?

Psychische Neuroimplantate: Reframing der Bedürfnisse

Schreiben Sie eine Geschichte, die Sie leben wollen. Schreiben Sie eine Geschichte, wie es hätte sein sollen. Fühlen Sie tief hinein, wie es sich anfühlen würde, wenn Sie das bekommen hätten, was Sie sich gewünscht hatten – noch besser: wo Ihre Bedürfnisse Alarm schlagen oder wonach sie verlangen.

Eine Geschichte, wie die vom David, ist nur ein Beispiel, wie jeder Mensch seine Bedürfnisse reframen (umformen) kann.

Lesen Sie „Reframing der Bedürfnisse“ Psychische Neuroimplantate von Hans J. Markowitsch und Margit M. Schreier, Heidelberg 2019. Beginnen Sie zu verstehen, was es bedeutet, psychisch satt zu sein. Sozial Media und Nutzung von IPhone bzw. Smartphone bringt viele Vorteile, wenn man sie richtig nutzt.

Wir sagen: „Psychisch belastende Zustände und Verhaltensmuster können also auf ganz verschiedene Weise korrigiert werden, wobei die Selbstkorrektur durch Neuroimplantate eine günstige und erfolgversprechende Möglichkeit ist, die in Eigeninitiative und ohne Fremdhilfe (oder Fremdsuggestion) umsetzbar ist. 

Bewusstsein zieht das Sein nach sich. Menschen sollen das für sie Menschenmögliche aus sich herausholen. Carpe vitam!